So hat meine technische Karriere begonnen
Richtig begonnen hat sie vermutlich mit dem Ding, das unten im Bild zu sehen ist. Damals war ich wohl so ca. 15.

Es ist nicht mehr zu erkennen, aber es ist eine elektronische Stoppuhr.
In den obersten Sockeln sollten eigentlich die 7-Segment LEDs stecken. Die wurden aber für andere wichtige Projekte gebraucht.
Warum habe ich die gebaut?
Ja, das ist etwas umständlich zu erklären.
Ich war damals im Gymnasium. Im Physikunterricht nahmen wir den vollelastische Stoß durch. Der Lehrer hatte ein ziemlich komplizierte Versuchsanordnung aufgebaut, mit der die Berührungszeit von einer Metallkugel die auf einen Hammer trifft gemessen werden sollte. Dazu gab es dann ein eher altes Messgerät, das aber als Spitze der Entwicklung gepriesen wurde. Das konnte zwar die Zeit nicht messen, aber es konnte etwas messen woraus man in mehreren Schritten die Zeit errechnen konnte. So cira halt. Irgendwie hat sich mein Gehirn geweigert, sich das alles zu merken.
Metall-Metall ... da baut man sich doch was, dass die Berührungszeit misst. Kann nicht so schwer sein. Ich hatte gerade ein paar Specs von TTL ICs in einem dicken Büchlein gelesen, als ich letztens beim Conrad war (damals in Nürnberg in einem kleinen Hinterhof über mehrere miteinander verbundene Wohnungen verteilt).
Wie man vielleicht schon erahnen kann, war genau dieser Versuch eine Hauptaufgabe in der nächsten Schulaufgabe. Intensive Suche in meinem Gehirn brachte nur meine viel einfachere Lösung mit der elektronischen Stoppuhr hervor. Also war das meine vergleichsweise kurze Lösung.
Zu meiner großen Überraschung wurde die Aufgabe aber als, nicht auch nur im Ansatz gelöst, bewertet.
Heftigstes insistieren beim Lehrer, das meine Lösung prima ist und die Aufgabe auch gelöst ist, wenn ich es anders mache als in seinem Unterricht, brachte nur die Antwort, das so was vielleicht in der Zukunft möglich, aber so einfach nicht wahrscheinlich ist. Weiteres heftiges insistieren, das das gar nicht schwierig ist und sogar ich so was bauen könnte, führte immerhin zu der Aussage, das ich das ja gerne bauen könnte wenn es so einfach ist.
Naja, was tut man nicht für gute Noten. Also hab ich mir das Büchlein mit den Specs zu den TTL-ICs gekauft. Lange darin herumgeblättert und dabei so was wie Zähler und 7-Segment Treiber gefunden. Dann noch mit einem Quarz einen möglichst hohen Takt erzeugen. Dann muss das doch gehen. Also Teile bestellt und angefangen zu bauen. Dauerte etwas, hat dann aber funktioniert.
So in etwa zumindest, denn manchmal sind komische Dinge passiert und er Zähler hat geflimmert und nicht mehr gezählt. Lösung war einfach, das Netzteil vom Klingeltrafo gegen das regelbare Netzteil meiner Trix-Eisenbahn ausgetauscht. Immer wenn was flimmerte und stockte einfach etwas höher drehen, dann ging es wieder.
Das man bei so einem TTL-Grab für die Qualität der Spannung tunlichst eine Menge Kondensatoren verbauen sollte habe ich erst später gelernt.
Also zum Lehrer gegangen: Hier ist das Gerät, kann alles was ich behauptet habe.
Ich musste dann 2 Versuche aufbauen. 1. Berührungszeit für den vollelastischen Stoß messen. 2. Fallzeit einer Kugel messen und daraus die Erdbeschleunigung berechnen
Hat beides geklappt - nicht immer - aber etwas regeln am Trafo hat geholfen - und ich habe für den Aufbau und die Referate eine ausreichende Anzahl mündlicher 1er bekommen, um damit die Schulaufgabe auszugleichen.
Die Physiklehrer habe ich mal alle um meinen Aufbau versammelt gesehen und diskutieren, was das wohl ist, wie es funktioniert und wieso ich so was kann. Zumindest war das alles nach meiner Erinnerung so.
Das ich soviel Aufwand treiben musste, fand ich nicht so gut. War aber mein erstes funktionierendes, sinnvolles Projekt. Das der Lehrer so eine Weg gefunden hat, mir für meinen Weg ausgleichend gute Bewertungen zu geben, fand ich ganz OK.
Cool, das ich das alte Teil beim Aufräumen nochmal gefunden habe. :)
Begeisterung für Technik und innovative Lösungen beginnt früh!
Sie hat sich bei mir bis heute erhalten!
p.s. Die Kabel wurden übrigens schon damals umweltschonend upgecycelt und stammten zum größten Teil aus der Beleuchtungsverkabelung meiner elektrischen Eisenbahn.